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Dorothee Schumacher

Ein Pl├Ądoyer f├╝r die Weiblichkeit

Das Unternehmen Schumacher ist eines der angesagtesten Modeh├Ąuser im deutschen Markt. In dieser Woche pr├Ąsentiert Gr├╝nderin Dorothee Schumacher ihre neue Kollektion auf der Fashion Week in Berlin. mmo-Autorin Kerstin Walker sprach mit der Designerin ├╝ber Mode, Innovationen und Familie.

mm: Frau Schumacher, lassen sie uns einen Blick in die Vergangenheit, genauer 23 Jahre zur├╝ck werfen. Wie entstand Ihr Unternehmen?

Schumacher: Schumacher war eine Vision. Als junges M├Ądchen dachte ich, die Mode entsteht in Italien. Also ging ich nach Perugia, und lernte italienisch. Als ich wieder nach Deutschland zur├╝ckkehrte fiel mir auf, dass die meisten Frauen, die damals in der Modebrache arbeiteten und eine bedeutende Position hatten, sehr m├Ąnnlich wirkten. Das gro├če Business wurde von M├Ąnnern bestimmt.

Dieses durch und durch maskuline missfiel mir. F├╝r mich liegt die wahre St├Ąrke von Frauen in ihrer Weiblichkeit. Aus diesem Impuls heraus entwarf ich eine kleine, feminine T-Shirt-Kollektion mit zarter Satinkante. Eine Botschaft an moderne, erfolgreiche Frauen, die begeistert aufgenommen wurde. Daraus entwickelte sich in den Jahren eine Schumacher-Welt.

mm: Also geht es heute nicht mehr nur um die Kollektionen?

Schumacher: Schumacher ist all das was Frauen lieben und was sie bewegt. Die Schumacher-Welt ist mit ganz viel Luxus angereichert - selbstverst├Ąndlich, sophisticated. Frauen, die sich ihren eigenen Lebenscocktail mixen f├╝hlen sich davon ber├╝hrt. Manchmal werde ich gefragt: Kann Schumacher nicht auch f├╝r M├Ąnner sein? Doch diese Frage stellt sich mir gar nicht. Es gibt noch so vieles, was f├╝r Frauen zu tun ist und darauf konzentriere ich mich.

mm: Ihre Mode adressiert sich an Frauen, die stark sind, weil sie ihre weiche Seite zulassen?

Schumacher: Genau. F├╝r mich ist das kein Gegensatz.

mm: Wie erkl├Ąren Sie sich ihren gro├čen Erfolg im asiatischen Raum? Vor zwei Monaten er├Âffneten Sie Ihren Schumacher-Flagshipstore in Hefei, einer F├╝nf-Millionen-Metropole. Diese Stadt in der Anhui Provinz gilt als bedeutendes Zentrum f├╝r technologische Entwicklungen. Warum sind Frauen ausgerechnet dort vom Schumacher-Spirit begeistert?

Schumacher: Die Erfahrungswerte, die wir in Hefei, unserem zweiten Store in Shenyang und bei ├╝ber 30 Partnern im Handel gewinnen, sind richtungweisend f├╝r ein Rollout in den gro├čen Metropolen Chinas.

Vor drei Jahren zeigten wir in Peking im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week unsere Kollektion. Durch die enge Zusammenarbeit mit Stylisten und Mitarbeitern vor Ort habe ich erkannt, dass chinesische Frauen sehr stark und feminin sind. Oftmals sind sie die Leiterin ihrer Familie und f├╝r ihre Rolle werden sie sehr respektiert. Ich glaube, dass sich viele chinesische Frauen deshalb in der Mode Schumacher wiedererkennen. Diese Verbindung passt einfach.

mm: Wie sehen diese Frauen aus?

Schumacher: Ihr Look ist auf elegante Weise feminin und sportlich. Bei einem sechsst├╝ndigen Aufenthalt am Flughafen in Shanghai konnte ich bei den chinesischen Frauen eine konsequente Eleganz beobachten, die mir so in Mailand oder Barcelona nicht begegnet. Ich finde es toll zu sehen, dass dieser Wert der Weiblichkeit in einer anderen Kultur so hoch gehalten wird.

mm: Sich mit St├╝cken von Dorothee Schumacher einzukleiden ist und bleibt aber ein sehr exklusives Unterfangen...

Schumacher: ... wir entwerfen Lieblingsst├╝cke, die jeder Frau das Gef├╝hl geben - made for you. Teile, die sie ├╝ber lange Jahre behalten m├Âchte, weil sie zeitlos sch├Ân sind. Kleidung ist ein Spiegel. Wenn man mutig ist und bereit, sein Innerstes nach au├čen zu spiegeln, hat man sch├Âne Begegnungen. Ich liebe Frauen, die ein Schumacher-Piece mit einem Mainstream-Piece kombinieren. Warum nicht? Gef├╝hlvoll und klug kombiniert kann das ein sehr pers├Ânlicher Stil werden.

mm: Im vergangenen Jahr ├╝berraschten Sie ihr Show-Publikum bei der Mercedes Benz Fashion Week mit einer technischen Innovation. Erstmals wurde eine Show - n├Ąmlich Ihre - im 360 Grad-Radius live ├╝bertragen. Haben Sie heute wieder eine ├ťberraschung parat?

Schumacher: Diesmal ├╝bertragen wir sogar das Rehearsal per Livestream! Auch das ist neu, und etwas ganz besonderes. Diese Atmosph├Ąre vor meiner Show, die Spannung - das ist unvergleichlich und wird live sp├╝rbar!

mm: Frau Schumacher, wer Ihre Firma betritt f├╝hlt sich wie ein Reisender, der im rauen Hafengel├Ąnde eine Kreativoase entdeckt.

Schumacher (lacht): Interessant, dass Sie das so empfinden. Ich glaube, das ist es, was diese Company ausmacht. Wir haben als Team eine gro├če Strahlkraft.

mm: Bezeichnen Sie sich deshalb als Heart of The Company - nicht in erster Linie als Unternehmenschefin?

Schumacher: Ja, und ich habe das Gl├╝ck mit tollen Leuten zusammenzuarbeiten, von denen jeder Einzelne handverlesen ausgesucht wurde. Sie werden bei Schumacher Menschen treffen, die seit 15 oder 20 Jahren mit mir arbeiten. Andere, die vielleicht gerade erst aus Italien zu uns gesto├čen sind, bringen frischen Wind.

mm: Gibt es ungew├Âhnliche Werdeg├Ąnge bei Schumacher?

Schumacher: Sicher. Ich arbeite mit Frauen zusammen, die sich stetig weiter entwickeln. Eine Mitarbeiterin, die fr├╝her im Strickdesign war ist heute in der Onlinekreation. Jede von uns w├Ąchst mit dem Unternehmen. Und dieses Geben und Wachsen wollen ist ├╝berall sp├╝rbar. Der Schumacher-Spirit tr├Ągt uns. Trotzdem ist jeder Schritt eine Herausforderung und deshalb feiern wir auch, wenn wieder einer geschafft ist.

mm: Ihre 140 Mitarbeiter sind zu 90 Prozent Frauen?

Schumacher: Das hat sich einfach so ergeben, weil Weiblichkeit das Herzst├╝ck dieses Unternehmens bildet. Aber mein Headdesigner zum Beispiel ist ein Mann. Andere in leitender Position sind meist Frauen.

mm: Viele Frauen im Team - das bedeutet oft l├Ąngere Ausfallzeiten wegen Schwangerschaften?

Schumacher: Das sehe ich bei uns nicht. Wir sind sehr eng zusammen gewachsen, und k├Ânnen diese Phasen deshalb gut ├╝berbr├╝cken. Eine springt f├╝r die andere ein. Bei Schumacher ist es eher so, dass Mitarbeiterinnen, die ein Kind bekommen haben, nach kurzer Zeit wieder da sein wollen.

mm: Sie haben selbst vier Kinder. Sind Sie das Vorbild, das Familie und Karriere unter einen Hut bekommt?

Schumacher: F├╝r dieses Unternehmen sicher, ja. Aber es gab Phasen, in denen ich eins meiner Kinder als Baby mit ins B├╝ro genommen habe. Ich sage nicht, dass dieser Spagat einfach ist. Trotzdem bin ich ├╝berzeugt, Schwangerschaften, Kinder und das dazugeh├Ârende Zeitmanagement werden erst zum Problem, wenn man sie als Drama empfindet.

mm: Diese enge Verbundenheit mit der eigenen Firma - ist sie ausschlaggebend daf├╝r, dass ihr ├Ąltester Sohn ins Unternehmen eingetreten ist?

Schumacher: Davon gehe ich aus. In erster Linie studiert er noch, k├╝mmert sich aber auch um unsere beiden Stores in Berlin. Es ist f├╝r mich ein unglaublich gutes Gef├╝hl, mein Unternehmen, das mir so ans Herz gewachsen ist, weiter in Familienhand zu erahnen.

mm: Ihre Firmenphilosophie klingt nahezu ideal - ist in der Schlussfolgerung auch der Krankenstand bei Schumacher niedrig?

Schumacher: Der ist in der Tat ausgesprochen niedrig. Auch das liegt sicher an der famili├Ąren Ambiance. Man begegnet sich, man kennt sich gut und wenn es in die Familie passt, w├Ąchst man zusammen. Diese Offenheit, die Transparenz, die hier auch r├Ąumlich sp├╝rbar ist, verbindet.

mm: Es gibt Wasserflaschen, Servietten, Zuckerp├Ąckchen mit dem Schumacher Markenschriftzug. Regelm├Ą├čig taucht die Schleife als Schmuck-Element auf. Der Begriff Liebe zum Detail scheint bei Ihnen buchst├Ąblich Programm.

Schumacher: Ich glaube, dieser Geist ist einfach da und wir fassen es in Worte, oder besser gesagt: in etwas Stoffliches. Das kann die kleine Satinschleife sein, die an einen Kleiderb├╝gel gekn├╝pft ist. Oder eben auch die Schleife, die einen Businessplan ziert - ein kleines Detail mit gro├čer Wirkung.

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Fotos Schumacher PR