Zeit Magazin

K├╝nstlerin Rosa Loy:

"Ich wachte auf und war gl├╝cklich. Meine Eltern hatten sich wiedergefunden"

Die Trennung ihrer Eltern war f├╝r die Malerin Rosa Loy ein gro├čer Schock. In einem Traum sah sie Mutter und Vater wieder vereint.

Bis heute ist der Septemberanfang f├╝r mich die bedeutsamste Zeit des Jahres. Erstmals bewusst wahrgenommen habe ich ihn, als ich etwa sechs Jahre alt war. Damals zog ich mit meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern nach Leipzig . In der Woche nach dem Weltfriedenstag am 1. September fing das neue Schuljahr an. Ich liebe noch heute den Geruch dieser Zeit, der mit seiner frischen Luft das Ende des schw├╝len Sommers ank├╝ndigt.

Die Schule begann mit dem Fahnenappell f├╝r den Kampf um den Frieden. Gleichzeitig bedeutete der Weltfriedenstag f├╝r mich als Kind die Chance auf ein eigenes, aufregendes Leben. Ich dachte: Alles wird gut mit einem Neubeginn. Bis heute trage ich diese Doppelbedeutung in mir. Die Sommerzeit empfinde ich immer noch als laue Ferienzeit. Als Malerin g├Ânne ich mir im Juli und August verl├Ąngerte Wochenenden. Aber dann, am Septemberanfang, vertraue ich auf das perfekte neue Jahr, das vor mir liegt.

Ich bin an einem Punkt im Leben angekommen, an dem ich Frieden mit mir und meinen F├Ąhigkeiten schlie├čen m├Âchte. Demutsvoll mit meinem Potenzial zu leben, in jedem Moment bei mir zu sein ÔÇô ach, w├Ąre das sch├Ân. Der gro├če Reiz dieses Gedankens hat mit dem alchemistischen Ansatz zu tun: Innen wie Au├čen. Ich strahle aus, was ich sp├╝re. Ich kann verzeihen, gro├čz├╝gig sein, geben.

An das Grundgute im Menschen zu glauben lernte ich von meinem Gro├čvater. Richard Scheringer war ein Kommunist in Bayern , er war aber vor allem ein echter Menschenfreund. Seinen inneren Frieden gab er an seine elf Kinder weiter. Zusammenhalt und Unterst├╝tzung ÔÇô das war es, was in unserer Familie z├Ąhlte. Meine Eltern halfen mir, diese Werte auch f├╝r mich zu entwickeln.

Umso schmerzhafter war die Erfahrung f├╝r mich als 26-J├Ąhrige, als sie sich pl├Âtzlich trennten. Es war ein Riss in meinem harmonischen Weltbild. Meine Eltern hatten 27 Jahre miteinander verbracht. Mein Vater war G├Ąrtnereidirektor, meine Mutter arbeitete als Ingenieurin f├╝r Landmaschinenerprobung. Gemeinsam war ihnen die Liebe zu den Pflanzen, der ├Ąhnliche Beruf. Aber sie scheiterten als Paar und gingen eigene Wege.

Dass beide nur wenige Jahre sp├Ąter starben, war ein weiterer Schock. Mein famili├Ąrer Zusammenhalt verlor sein Fundament. Einige Zeit danach hatte ich diesen Traum: Meine Eltern trafen sich in einem gro├čen Rosengarten.

Ich ertr├Ąumte sie mir als ├Ątherische Wesen, nicht als reale Personen, aber sie sprachen miteinander, wie sie es in meiner Erinnerung oft taten. Sie fachsimpelten ├╝ber die Blumen. Ihre Differenzen waren unwichtig geworden. Wichtiger war ihnen, vereint zu sein, den gleichen Weg zu haben.

Es war einer dieser Tr├Ąume, wie man sie morgens um f├╝nf hat, kurz vor dem Aufwachen. Surreal und doch wahrhaftig. Als sei das Ertr├Ąumte wirklich geschehen. Und so tr├Ąumte ich, dass meine Eltern ├╝ber den Rosengarten hinwegschwebten. Mein Vater hielt meine Mutter an der Hand. Ich wachte auf und war gl├╝cklich. Meine Eltern hatten sich wiedergefunden. Mein Vertrauen auf einen Neubeginn war wieder erwacht.


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Rosa Loy

52, wurde in Zwickau geboren und lebt in Leipzig. Bis zu ihrem 27. Lebensjahr arbeitete sie als Gartenbauingenieurin, danach studierte sie Malerei und Grafik. Unter dem Titel Hinter den G├Ąrten er├Âffnete sie vorige Woche in Wien ihre erste gemeinsame Ausstellung mit ihrem Mann Neo Rauch.

Online lesen: http://www.zeit.de/2011/37/Traum-Rosa-Loy/komplettansicht

Foto: Paula Winkler